Sichtbarkeit: In Karriere und Kunst

Sichtbar zu werden bedeutet nicht, ständig im Mittelpunkt stehen zu müssen. Es bedeutet, dass andere Menschen erkennen können, wer wir sind, wofür wir stehen und welchen Beitrag wir leisten. Das gilt für die berufliche Karriere genauso wie für die Kunst. Ein Beitrag, ein Profil oder ein ausgestelltes Werk führt allerdings nicht immer sofort zu einer konkreten Chance. Oft entsteht zunächst nur ein Kontakt, ein Eindruck oder eine Erinnerung. Doch wenn wir unsichtbar bleiben, können uns die richtigen Menschen meist gar nicht wahrnehmen.

Sichtbarkeit braucht Zeit

Viele Chancen entstehen nicht im Moment der ersten Begegnung. Ein Unternehmen erinnert sich vielleicht später an eine Bewerberin. Eine Galeristin sieht ein Werk zunächst online und begegnet der Künstlerin Monate später bei einer Ausstellung. Ein Kunsthändler liest einen Presseartikel, bevor er zu einem späteren Zeitpunkt den Kontakt aufnimmt.

Sichtbarkeit wirkt deshalb häufig zeitversetzt. Sie baut Wiedererkennung und Vertrauen auf. Entscheidend ist nicht, überall gleichzeitig präsent zu sein. Wichtiger sind ein klares Profil, regelmäßige Präsenz und echte Beziehungen.

Social Media ist nur ein Teil

LinkedIn, Xing, Instagram, TikTok und Pinterest können Menschen auf uns aufmerksam machen. Sie ersetzen aber kein Netzwerk.

Social Media zeigt, dass es uns gibt. Netzwerken bedeutet, in Beziehung zu anderen Menschen zu treten. Dazu gehören persönliche Gespräche, Empfehlungen, Kooperationen, Veranstaltungen, Verbände, berufliche Gruppen und der langfristige Austausch. Ein Like ist noch kein Netzwerk. Erst durch echtes Interesse, Verlässlichkeit und gegenseitige Unterstützung entsteht eine Verbindung.

Netzwerken in der Karriere

Im beruflichen Umfeld beginnt Netzwerken nicht erst bei der Jobsuche. Es entsteht im täglichen Arbeitsleben:

  • durch den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen;

  • durch frühere berufliche Kontakte;

  • bei Fachveranstaltungen und Konferenzen;

  • in Branchen- und Alumni-Netzwerken;

  • in Diversity- und Frauennetzwerken;

  • durch Verbände und Fachgruppen;

  • im Kontakt mit Personalberatungen und Headhuntern;

  • durch Empfehlungen und persönliche Vorstellungen.

LinkedIn und Xing können diese Beziehungen sichtbar und leichter zugänglich machen. Ein gepflegtes Profil, fachliche Beiträge und sinnvolle Kommentare helfen dabei, ein berufliches Profil aufzubauen. LinkedIn ermöglicht außerdem, die öffentliche Auffindbarkeit des Profils außerhalb der Plattform zu steuern.

Das eigentliche Netzwerken findet jedoch oft abseits des Bildschirms statt: bei einem Kaffee, einem Workshop, einem Branchentreffen oder einem kurzen Gespräch nach einem Vortrag.

Ein gutes Gespräch muss nicht sofort zu einem Ergebnis führen. Vielleicht entsteht zunächst nur ein gemeinsames Interesse. Vielleicht empfiehlt man sich später gegenseitig weiter. Gerade Kontakte außerhalb des engsten Umfelds können neue Informationen und Zugänge zu anderen Branchen oder Unternehmen eröffnen.

Wenn wir sichtbar werden, passiert nicht immer sofort etwas. Aber wenn wir unsichtbar bleiben, passiert meist gar nichts.

Netzwerken in der Kunst

Auch für Künstlerinnen ist Social Media nur eine von mehreren Möglichkeiten, sichtbar zu werden. Instagram kann Werke, Serien, Details und Arbeitsprozesse zeigen. TikTok macht Entstehung und Persönlichkeit über kurze Videos erlebbar. Pinterest funktioniert stärker wie eine visuelle Suchmaschine und kann Kunst langfristig auffindbar machen.

Doch zur künstlerischen Sichtbarkeit gehören ebenso:

  • Künstlernetzwerke, Kunstvereine und regionale Künstlergruppen;

  • Atelierbesuche und offene Ateliers;

  • Ateliergemeinschaften;

  • Vernissagen und Ausstellungseröffnungen;

  • Workshops und Weiterbildungen;

  • Galerien und Kuratorinnen;

  • Kunsthändler und Sammlerinnen;

  • Kunstmessen und Gemeinschaftsausstellungen;

  • Presseartikel und regionale Medien;

  • Newsletter und die eigene Website.

Eine Vernissage ist beispielsweise nicht nur eine Gelegenheit, die eigenen Arbeiten zu zeigen. Sie ist auch ein Ort, an dem Künstlerinnen andere Künstler, Galeristinnen, Kunstinteressierte, Journalistinnen und mögliche Kooperationspartner kennenlernen. Dabei muss man nicht mit einem Verkaufsgespräch beginnen. Ein ehrliches Interesse an der Arbeit des Gegenübers ist oft der bessere Einstieg. Wer zuhört, Fragen stellt und sich später noch an ein Gespräch erinnert, schafft eine Verbindung, die über den Abend hinaus Bestand haben kann.

Beziehungen statt Kontaktlisten

Ein Netzwerk ist keine Sammlung möglichst vieler Namen. Entscheidend ist die Qualität der Beziehungen.

Dazu gehört:

  • nach einem Gespräch eine persönliche Nachricht zu senden;

  • sich an Projekte oder Interessen anderer zu erinnern;

  • Kontakte auch ohne unmittelbaren eigenen Nutzen zu pflegen;

  • andere weiterzuempfehlen;

  • Informationen oder Möglichkeiten zu teilen;

  • Unterstützung anzubieten;

  • sich über Erfolge anderer ehrlich zu freuen.

Gerade in der Kunstwelt entstehen viele Möglichkeiten über Empfehlungen. Eine Künstlerin wird für eine Gruppenausstellung vorgeschlagen. Eine Galeristin erhält den Hinweis auf ein passendes Portfolio. Ein Sammler entdeckt ein Werk durch eine persönliche Empfehlung. Sichtbarkeit erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass solche Empfehlungen überhaupt möglich werden.

Authentisch sichtbar sein

Sichtbarkeit bedeutet nicht, sich größer darzustellen, als man ist. Sie bedeutet, die eigene Arbeit und die eigene Entwicklung nicht zu verstecken. Eine Karriere darf sich verändern. Eine Künstlerin darf neue Themen ausprobieren. Eine berufliche Biografie muss nicht geradlinig sein. Gerade die Verbindung verschiedener Erfahrungen kann ein unverwechselbares Profil schaffen.

Nicht jede Plattform und nicht jedes Netzwerk passt zu jedem Menschen. Entscheidend ist, dort präsent zu sein, wo die eigenen Ziele und die eigenen Werte sichtbar werden können.

Sichtbarkeit ist eine Einladung

Sichtbarkeit garantiert keinen sofortigen Erfolg. Sie sorgt aber dafür, dass Chancen überhaupt entstehen können. Ein Social-Media-Beitrag kann Aufmerksamkeit wecken. Ein persönliches Gespräch kann Vertrauen schaffen. Eine Ausstellung kann eine Empfehlung auslösen. Ein Presseartikel kann den eigenen Namen in einen neuen Zusammenhang bringen.

Deshalb ist Sichtbarkeit mehr als Selbstvermarktung. Sie ist eine Einladung an andere, die eigene Arbeit, Kompetenz und Perspektive kennenzulernen.

Wenn wir sichtbar werden, passiert nicht immer sofort etwas. Aber wenn wir unsichtbar bleiben, passiert meist gar nichts.


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