Was Mentoring wirklich bewirken kann

Letzte Woche erhielt ich eine Nachricht von einer ehemaligen Mentee aus den USA. Ich hatte sie vor etwa einem Jahr im Rahmen eines Mentoring-Programms begleitet. Sie schrieb mir, dass sie mir einfach sagen wollte, wie dankbar sie noch immer für unsere Gespräche sei. Sie erzählte mir, dass das Mentoring ihr geholfen habe, mehr Selbstvertrauen zu entwickeln und ihren eigenen Weg konsequenter weiterzuverfolgen. Vor allem aber wollte sie mir etwas anderes sagen:

"Bitte hör nicht damit auf. Du machst einen Unterschied."

Diese wenigen Worte haben mich tief berührt. Als Mentor sieht man selten die langfristigen Auswirkungen der eigenen Unterstützung. Oft fragt man sich, ob die Gespräche wirklich geholfen haben. Ob die Gedankenanstöße angekommen sind. Ob man überhaupt etwas bewegt hat. Manchmal bekommt man die Antwort erst viel später.

Mentoring verändert beide Seiten

Was meine ehemalige Mentee vielleicht nicht weiß: Sie hat auch mein Leben beeinflusst.

Damals erzählte sie mir von ihrem eigenen Weg. Sie hatte sich entschieden, noch einmal Jura zu studieren und einen neuen beruflichen Traum zu verfolgen. Ich erinnere mich, wie beeindruckt ich davon war. Da war jemand, der den Mut hatte, einen völlig neuen Weg einzuschlagen, obwohl viele Menschen vielleicht gesagt hätten: „Dafür ist es zu spät.“ Ihre Entschlossenheit hat etwas in mir ausgelöst.

Zu dieser Zeit war ich selbst auf der Suche nach einer neuen Leidenschaft. Etwas, das mich wieder wirklich begeistert. Eine andere Mentorin hatte mir eine Frage gestellt, die mich lange beschäftigte: "Kristin, wofür brennst du eigentlich noch?"

Eine einfache Frage. Und gleichzeitig eine der schwierigsten. Ich hatte keine klare Antwort darauf.

Es ist nie zu spät für einen neuen Traum

Die Geschichte meiner Mentee ließ mich nicht los. Wenn sie den Mut hatte, noch einmal ein Jurastudium zu beginnen, warum sollte ich nicht ebenfalls etwas Neues wagen? Schon lange hatte ich den Wunsch, mich intensiver mit Kunst zu beschäftigen. Schließlich meldete ich mich am Milan Art Institute an und begann mein Kunststudium. Heute, einige Jahre später, gehört diese Entscheidung zu den wichtigsten meines Lebens. Sie hat nicht nur meine kreative Seite wiederbelebt, sondern mir auch gezeigt, dass Entwicklung niemals endet. Egal ob mit 25, 45 oder 65 Jahren.

Wir dürfen uns neu erfinden. Wir dürfen neue Wege einschlagen. Und wir dürfen lernen, dass eine Karriere oder ein Lebensweg nicht aus einer einzigen Identität bestehen muss.

"Kristin, wofür brennst du eigentlich noch?"

Eine einfache Frage. Und gleichzeitig eine der schwierigsten. Ich hatte keine klare Antwort darauf.

Auch Künstler brauchen Mentoren

Interessanterweise hat mich auch auf meinem künstlerischen Weg wieder eine Mentorin begleitet. Während meines Studiums hatte ich das Glück, mit einer wunderbaren Künstlerin aus Glasgow zu arbeiten. Sie hatte das Programm einige Jahre vor mir absolviert und sich inzwischen erfolgreich als Künstlerin etabliert. Sie unterstützte mich bei einer der schwierigsten Fragen, mit denen kreative Menschen konfrontiert werden:

"Wie finde ich meine eigene künstlerische Stimme?"

Ihre Erfahrung, ihre Ehrlichkeit und ihre Ermutigung haben mir geholfen, meiner eigenen Richtung mehr zu vertrauen. Und wieder wurde mir klar, wie wertvoll Mentoring sein kann.

Die wahre Kraft von Mentoring

Wenn ich auf die letzten Jahre zurückblicke, erkenne ich ein Muster. Menschen haben mich unterstützt, als ich Orientierung brauchte. Menschen haben mir Fragen gestellt, die mein Leben verändert haben. Menschen haben an mich geglaubt, bevor ich selbst daran geglaubt habe. Und manchmal durfte ich diese Rolle für andere übernehmen.

Vielleicht ist das die wahre Kraft von Mentoring. Es geht nicht darum, Antworten zu geben. Es geht darum, Menschen zu helfen, ihre eigenen Antworten zu finden. Und manchmal hinterlässt eine einzige Frage oder ein einziges Gespräch Spuren, die noch Jahre später sichtbar sind. Die Nachricht meiner ehemaligen Mentee hat mich daran erinnert, warum Mentoring so wertvoll ist. Nicht weil es Karrieren verändert. Sondern weil es Menschen verändert. Und oft beide Seiten gleichzeitig.

Zum Schluss eine Frage

Gab es in Ihrem Leben einen Mentor oder eine Mentorin, die Ihren Weg geprägt hat? Und haben Sie dieser Person jemals gesagt, welchen Unterschied sie für Sie gemacht hat?

Manchmal sind es genau diese Nachrichten, die jemandem zeigen, dass sein Engagement mehr bewirkt hat, als er jemals vermutet hätte.

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Sichtbarkeit: In Karriere und Kunst

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