Was Kunst und Karriereaufbau gemeinsam haben: Warum Erfolg oft Ausdauer braucht
Wenn wir auf erfolgreiche Karrieren blicken, sehen wir häufig nur das Ergebnis.
Die Beförderung. Den neuen Job. Die Ausstellung. Das veröffentlichte Buch. Das erfolgreiche Unternehmen.
Was wir nicht sehen, sind die vielen Bewerbungen, die unbeantwortet blieben. Die Absagen. Die Zweifel. Die Momente, in denen jemand kurz davor war aufzugeben.
Als Recruiterin und Künstlerin bewege ich mich täglich in zwei Welten, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben. Doch je länger ich beide Seiten erlebe, desto deutlicher wird mir: Die Mechanismen von Karriereaufbau und dem Aufbau einer künstlerischen Laufbahn sind erstaunlich ähnlich.
Niemand sieht die Absagen
Im Recruiting sprechen wir oft über erfolgreiche Kandidatinnen und Kandidaten. Über neue Positionen, Karriereschritte und spannende Wechsel.
Doch hinter fast jeder Erfolgsgeschichte stehen zahlreiche Rückschläge.
Bewerbungen, auf die nie eine Antwort kam.
Interviews, die vielversprechend wirkten und dann doch nicht zu einem Angebot führten.
Positionen, für die man vermeintlich perfekt geeignet war und die trotzdem an jemand anderen gingen.
Das Gleiche erlebe ich als Künstlerin.
Man bewirbt sich für Ausstellungen und wird abgelehnt.
Man investiert Zeit, Herzblut und Geld in Projekte, die scheinbar niemand bemerkt.
Man veröffentlicht Arbeiten, die kaum Aufmerksamkeit erhalten.
Und dennoch macht man weiter.
Der größte Fehler: Ablehnung persönlich nehmen
Eine Absage fühlt sich oft an wie ein Urteil über die eigene Person.
Dabei ist sie das meist nicht.
Im Recruiting sehe ich regelmäßig Situationen, in denen mehrere hervorragende Kandidaten im Prozess sind. Am Ende kann jedoch nur eine Person ausgewählt werden.
Die Entscheidung bedeutet oft nicht, dass die anderen nicht gut genug waren.
Sie bedeutet lediglich, dass in diesem Moment jemand anderes besser zur Situation passte.
Ähnlich verhält es sich in der Kunst.
Ein Werk kann bei einer Jury keine Berücksichtigung finden und wenige Monate später bei einer anderen Ausstellung ausgezeichnet werden.
Nicht alles ist objektiv messbar.
Geschmack, Timing, Budget, Strategie und individuelle Bedürfnisse spielen häufig eine größere Rolle als viele Menschen glauben.
Ausdauer wird unterschätzt
Viele Menschen geben kurz vor dem Durchbruch auf.
Nicht weil ihnen Talent fehlt.
Sondern weil sie die Zeit zwischen Anstrengung und Ergebnis unterschätzen.
Wir leben in einer Welt, die schnelle Erfolge sichtbar macht. Auf Social Media sehen wir den neuen Job, die Ausstellungseröffnung oder die Auszeichnung.
Wir sehen jedoch selten die Monate oder Jahre davor.
Die unzähligen Bewerbungen.
Die Überarbeitungen von Lebensläufen.
Die Absagen.
Die Unsicherheit.
Die Arbeit im Hintergrund.
Erfolg entsteht häufig viel langsamer, als es nach außen wirkt.
„Erfolg entsteht selten über Nacht.
Oft gewinnt am Ende nicht die Person ohne Rückschläge, sondern diejenige, die trotz Rückschlägen weitergegangen ist.“
Sichtbarkeit ist kein Zufall
Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen Karriere und Kunst ist die Bedeutung von Sichtbarkeit.
Die beste Bewerbung kann nicht überzeugen, wenn sie nie verschickt wird.
Das stärkste Portfolio wird keine Käufer finden, wenn es niemand sieht.
Viele Chancen entstehen nicht, weil jemand perfekt ist, sondern weil jemand präsent bleibt.
Weil Menschen wiederholt sehen, wofür man steht.
Weil man weiterhin Kontakte knüpft.
Weil man sich auch nach Rückschlägen zeigt.
Dranbleiben bedeutet nicht nur, weiterzumachen. Es bedeutet auch, sichtbar zu bleiben.
Vertrauen in den eigenen Weg
Einer der schwierigsten Aspekte beim Aufbau einer Karriere oder einer künstlerischen Laufbahn ist der Vergleich mit anderen.
Es wird immer Menschen geben, die scheinbar schneller vorankommen.
Die früher Erfolg haben.
Die mehr Aufmerksamkeit erhalten.
Doch jeder Weg verläuft anders.
Karrierewege sind heute selten geradlinig. Künstlerische Entwicklungen noch weniger.
Manchmal entstehen die interessantesten Möglichkeiten genau aus Umwegen, Rückschlägen oder unerwarteten Wendungen.
Was ich aus beiden Welten gelernt habe
Ob Karriere oder Kunst: Langfristiger Erfolg entsteht selten über Nacht.
Er entsteht durch die Bereitschaft, nach einer Absage weiterzumachen.
Sich erneut zu bewerben.
Ein weiteres Gespräch zu führen.
Ein weiteres Werk zu schaffen.
Eine weitere Idee zu verfolgen.
Nicht jede Bewerbung wird erfolgreich sein.
Nicht jede Ausstellung wird zusagen.
Nicht jeder Versuch wird funktionieren.
Aber jede Erfahrung bringt uns einen Schritt weiter.
Manchmal ist Talent wichtig.
Oft ist Ausdauer entscheidend.
Und sehr häufig gewinnt am Ende nicht die Person, die nie Rückschläge erlebt hat, sondern diejenige, die trotz Rückschlägen weitergemacht hat.
Frage an meine Leserinnen und Leser:
Welche Ablehnung hat sich im Nachhinein als wichtiger Wendepunkt in Ihrer Karriere oder Ihrem Leben herausgestellt?
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